Ein neues Kapitel für Lissabon.City

Wer diese Seite schon einmal besucht hat – herzlich willkommen zurück. Wer zum ersten Mal hier ist – ebenfalls willkommen, und ihr startet genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn lissabon.city ist neu. Nicht nur neu gestaltet, sondern von Grund auf neu gebaut. Dieser Artikel erzählt, was sich geändert hat, warum – und ein bisschen auch wie.


Wo das alles begann

Lissabon.City gibt es schon eine Weile. Die erste Version entstand Anfang 2020, damals noch auf WordPress, dem wohl meistgenutzten Blogsystem der Welt. Der Plan war klar: ein persönlicher Blog über eine Stadt, die ich seit meiner Zeit als Erasmus-Student in den frühen Neunzigern nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Eindrücke, Empfehlungen, Erfahrungen – das, was man teilt, wenn Freunde fragen, was man in Lissabon unbedingt gesehen haben sollte.

Es kam anders.


Die ungeplanten ersten Jahre

Anfang 2020 – wer erinnert sich nicht. Was als Lissabon-Blog gestartet war, wurde in den ersten Monaten seines Bestehens zu etwas, das ich so nie geplant hatte: ein Informationsangebot über Corona-Regeln in Portugal. Welche Maßnahmen galten, welche nicht, was für Reisende relevant war, was sich gerade wieder geändert hatte. Der Versuch, den deutschsprachigen Lesern Orientierung zu geben in einer Situation, die sich nahezu wöchentlich veränderte.

Das hatte durchaus seinen Wert. Aber es war kräftezehrend auf eine Weise, die mit normalem Schreiben wenig zu tun hat. Kaum war ein Artikel fertig und veröffentlicht, waren Teile davon schon wieder überholt. Veranstaltungen, über die ich schreiben wollte, wurden abgesagt. Das Leben in Lissabon – das eigentliche Thema – fand zeitweise schlicht nicht statt, zumindest nicht in der Form, über die ich schreiben wollte.

Als die Pandemie dann nachließ und das normale Leben in der Stadt langsam zurückkehrte, fehlte mir schlicht die Energie, den Blog wieder anzuwerfen. Er lief weiter, technisch. Aber aktiv bespielt wurde er nicht mehr. Die Artikel aus dieser Zeit sind im Zuge des Relaunches nicht mitgenommen worden – sie wären heute nicht mehr relevant, und sie haben nie das abgebildet, wofür dieser Blog ursprünglich gedacht war.


Der Anlass für den Neustart

Was mich schließlich dazu gebracht hat, das Projekt wieder anzufassen, war nicht ein konkreter Auslöser, sondern eine Kombination aus Dingen. Die Erkenntnis, dass die Idee hinter dem Blog nie schlecht war – nur der Zeitpunkt des Starts ausgesprochen unglücklich. Und dass sich die technische Welt in den Jahren seitdem so verändert hat, dass ein Neuanfang heute einfacher und mit besseren Werkzeugen möglich ist.

Und dann ist da noch die KI. Dazu gleich mehr.


Die Plattform-Entscheidung

Für den Neustart stand früh die Frage, ob ich einfach das WordPress-System auffrischen oder grundlegend etwas anderes ausprobieren würde. Es ist am Ende eine einfache Überlegung geworden: WordPress ist ein mächtiges System, das für viele Anwendungsfälle die richtige Wahl ist – große Websites, Teams, komplexe Redaktionsworkflows. Für einen Ein-Personen-Blog, bei dem der Autor lieber schreibt als administriert, ist es schlicht mehr, als man braucht.

Die Pflege eines WordPress-Blogs bedeutet in der Praxis regelmäßige Updates, Plugin-Kompatibilität, Datenbank-Backups, gelegentliche Sicherheitsprobleme. Das alles ist lösbar, aber es kostet Zeit, die besser in Inhalte geflossen wäre. Ich habe WordPress also nicht aus Überzeugung verlassen, sondern weil ich gemerkt habe, dass es für das, was ich tun will, das falsche Werkzeug ist.


Was stattdessen: Astro

Die neue Version von lissabon.city läuft auf Astro, einem sogenannten Static Site Generator. Das klingt technischer, als es für den Leser relevant ist – aber das Prinzip dahinter ist eigentlich einfach und erklärt, warum es sich für dieses Projekt so gut anfühlt.

Bei einem statischen Blog passiert das Wesentliche nicht auf dem Server, sondern vorher: Alle Seiten werden einmal lokal auf meinem Rechner fertig gebaut – als vollständige HTML-Dateien – und dann in dieser Form auf den Webserver hochgeladen. Wenn jemand lissabon.city besucht, liefert der Server einfach diese fertige Datei aus. Keine Datenbankabfrage, keine serverseitige Verarbeitung, kein Plugin-Stack. Nur eine HTML-Datei.

Das Ergebnis sind Ladezeiten, die sich kaum unterbieten lassen, und eine Infrastruktur, die so gut wie keine Angriffsfläche bietet. Es gibt keine Login-Seite, keinen Adminbereich, keine Datenbank. Was nicht da ist, kann nicht gehackt werden.

Astro hat sich unter mehreren Alternativen – Hugo, Eleventy, Jekyll, Next.js – klar durchgesetzt. Nicht weil es das älteste oder bekannteste wäre, sondern weil es am besten zu dem passt, was dieser Blog sein soll: content-first, schnell, wartungsarm, offen für KI-Integration.


Das Visuelle

Wer den alten Blog kannte, wird das neue Design als Neustart erkennen. Die Basis ist das Dante-Theme für Astro – ein schlankes, textlastiges Design, das für Einzelautoren gemacht ist. Davon zu sehen ist nicht mehr viel: Die Farbpalette, die Typografie, die Navigation, die Startseite – alles wurde angepasst und neu zusammengesetzt.

Die Farben kommen aus dem Logo, das schon vorher da war: Dunkelgrün und Gold, zwei Farben, die gut zu Lissabon passen. Das Grün erinnert an die Hügel und Parks der Stadt, das Gold an Licht und Ornamente. Der Hintergrund ist ein warmes Creme, das auf dem Bildschirm angenehmer zum Lesen ist als reines Weiß.

Die Schriften folgen einem System, das ich für diesen Blog das „Atlântico”-System nenne: Cormorant Garamond für Überschriften – eine Serifenschrift mit etwas Charakter – Lora für den Fließtext und DM Sans für Navigations- und UI-Elemente. Das klingt detailversessen, und das ist es auch. Typografie ist oft das Erste, was man wahrnimmt, ohne zu wissen, warum eine Seite angenehm oder unangenehm wirkt.


Der Faktor KI

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich verschweigen würde, dass bei diesem Relaunch Werkzeuge mit im Spiel waren, die vor ein paar Jahren noch Science-Fiction gewesen wären. KI – konkret Claude von Anthropic – war an diesem Projekt beteiligt. Nicht als Ghostwriter, aber als Gesprächspartner, Rechercheur, Entwurfshelfer und manchmal auch als Korrektiv.

Was das in der Praxis bedeutet: Entscheidungen über Technologie, Design und Struktur wurden oft in einem Workflow getroffen, in dem ich eine Richtung vorgegeben habe und KI geholfen hat, Optionen zu durchdenken, Textentwürfe zu formulieren oder technische Fragen zu beantworten. Artikel wie der über den Nahverkehr in Lissabon – der erste echte Beitrag dieses neuen Blogs – wurden so erarbeitet: ich mit dem inhaltlichen Wissen und der Einschätzung, KI mit der Recherche und dem ersten Entwurf, dann Überarbeitung und Freigabe durch mich.

Das ist kein Qualitätsproblem, es ist eine neue Art des Arbeitens. Was dabei herauskommt, ist Inhalt, den ich vertreten kann, weil ich ihn verstanden habe und für richtig halte. Nicht weil eine Maschine ihn erzeugt hat, sondern weil die Zusammenarbeit funktioniert.

Ich halte das für eine ehrliche Darstellung – und für relevanter als den Versuch, es nicht zu erwähnen. Wer schreibt, nutzt Werkzeuge. Früher war es das Wörterbuch, die Recherche in der Bibliothek, das Telefon für die Recherche. Heute sind andere Werkzeuge hinzugekommen.


Was sich inhaltlich ändert

Der alte Blog hatte Artikel. Manche davon waren gut, manche veraltet, manche beides. Ein Großteil des alten Contents wird nicht migriert – nicht weil er schlecht war, sondern weil er in die Jahre gekommen ist und ein Relaunch ein guter Moment ist, um aufzuräumen.

Was übrig bleibt und neu entsteht, folgt einer klareren Linie: kein Standard-Reiseführer-Content, der sich auf jedem zweiten Lissabon-Blog findet, sondern Artikel mit einem eigenen Blickwinkel. Praktische Informationen, wenn sie wirklich nützlich sind. Persönliche Eindrücke, wenn sie etwas hinzufügen. Dinge, die ich nach drei Jahrzehnten Verbindung zu dieser Stadt weiß oder beobachtet habe.

Die Zielgruppe ist dabei bewusst nicht eng definiert. Ob jemand zum ersten Mal über Lissabon nachdenkt oder schon seit Jahren regelmäßig dort ist – beides kann passen. Entscheidend ist, ob der Artikel etwas bietet, das sich lohnt zu lesen.


Ein laufendes Projekt

Lissabon.City ist nicht fertig. Es wird nie wirklich fertig sein, das ist die Natur eines lebendigen Blogs. Was fertig ist: das Fundament. Die Technik läuft, das Design steht, die ersten Artikel sind da.

Was noch kommt: mehr Inhalte, irgendwann Social-Media-Präsenz auf Instagram und vielleicht anderswo, und vielleicht auch Dinge, die ich heute noch nicht geplant habe. Solche Projekte entwickeln sich, wenn man sie lässt.

Wer dabei sein möchte – einfach wiederkommen.

Até logo.